Benutzer Diskussion:Biggi

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Anmerkungen von Biggi

Hallo - weil in meinem Blog eine kleine Diskussion zum Thema losgegangen ist, will ich gerne von meinen "Flipcamp-Erfahrungen" mit dem Texttreff [1] berichten.

Wir machen das seit Jahren so:

Veranstaltungsort ist eine zum alternativen Veranstaltungshotel umgebaute Mühle im Wendland. Das ist eine Region im Nord(-Osten) Deutschlands, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen. Und ich meine Gute Nacht. Da ist echt NIX los. Aber wunderschön. Bis vor zwei Jahren gab es kein WLan. Gibts auch heute nur peripher und auch der Handyempfang holpert bis heute.

Dort mieten wir uns ein. Schlafen, Essen (lecker! *g) und Arbeiten unter einem Dach. Ach ja - und Feiern. :-) Platz ist für ca. 50 Leute. Die Plätze sind heiß begehrt, wer nicht schnell genug ist, guckt in die Röhre. Wenn die verbindliche Anmelderei erledigt ist, sammeln wir in einer Mailingliste Workshopthemen. Jede sagt, was sie anbieten könnte.

Alles wird gesammelt, am Ende wird alles präsentiert und das Interesse abgeklopft. So wird verhindert, dass irgendjemand vergeblich einen Workshop vorbereitet, der dann gar nicht nachgefragt wird. Und so wird sicher gestellt, dass die Angebote auch tatsächlich auf ausreichendes Interesse stoßen. Ein kleines Koordinationsteam organisiert das Ganze und pinnt am Ankunftstag die Wände mit den Workshops voll. Jeden Vormittag zwei oder drei und am Nachmittag noch mal. Abends auch, aber das sind dann eher Freizeitangebote von Tanz über Yoga bis Impro-Theater oder Weinproben... für die, die wollen. Die Teilnehmerinnen tragen sich ein und los gehts.

Und das ist auch schon alles. Material sind Flipcharts, Papier, Stimme und Menschen.

Mittlerweile haben auch paar Notebooks Einzug gehalten, weil es eben jetzt doch WLan gibt in der Mühle. Aber im Großen und Ganzen bestehen die vier Tage aus Gesprächen, Schreiben mit dem Stift und vor allem aus unendlich viel Inspiration und Motivation durch den völlig untechnischen Austausch. Wobei wir auch schon "technische" Themen wie Podcasts und Weblogs und Wikis etc. hatten.

Nach meiner Erfahrung spielt für so eine Geschichte die Umgebung eine riesig große Rolle. Und natürlich auch die Menschen. Ich würde so was nie soooo offen wie ein normales Barcamp organisieren, sondern nur als geschlossene Veranstaltung. Und das ist auch schlussendlich mein Rat nach vielen Jahren Wendland: Erst die verbindlichen Teilnehmer ermitteln. Und dann im internen Kreis das Programm erstellen. Nur so kann das auch wirklich was werden und für alle Teilnehmer effektiv sein und was bringen.

Und was das Bloggen und Twittern etc. betrifft - Himmel - das Netz ist auch noch da, wenn die Teilnehmer mal vier Tage nicht bloggen und twittern. Sie können ja hinterher berichten, wenn sie mögen und viele tun das erfahrungsgemäß auch.

Ich kann mich nur wiederholen, was in meinem Blog schon gesagt wurde: diese vier Tage setzen in mir so viel Motivation frei und so intensiv, dass ich sie wie Urlaub empfinde. Ich kanns nicht belegen, aber ich bin sehr davon überzeugt, dass es daran liegt, dass ich mich wirklich auf die Menschen und deren Inhalte konzentriere und keine Mailbox, kein Feedreader, kein Twitter, kein Telefon, rein gar nix mir dazwischen funkt.

Ich möchte allerdings auch anmerken, dass wir ein Netzwerk sind. D.h. wir netzwerken zum Teil schon fast zehn Jahre miteinandern, lesen uns täglich online. Und im Wendland sehen wir uns dann halt mal. Das ist sicher auch noch ne Spur anders und intensiver, als wenn fremde Leute zusammen kommen. Ich glaube also auch, dass der Erfolg des Texttreff-Flipcamps - den alle Teilnehmerinnen bestätigen würden - auch damit zusammenhängt, dass wir uns schon lange online vertrauen und nun froh sind, uns endlich mal wieder real zu sehen. Und das macht den Computer dann endgültig total überflüssig.

So. Das hab ich nun alles geschrieben, weil Robert drum gebeten hat. Ist lang geworden... ich hoffe, ich habe nicht nur geschwallt und ihr könnt das ein oder andere für euer Flipcamp daraus ziehen.