Gläsener Mensch dank Social Media?

Aus barcamp.at
Wechseln zu: Navigation, Suche

Den Ausgangspunkt der Diskussion bildete die Beobachtung, dass sich die Bereitwilligkeit von Usern, Informationen über sich im Netz zu veröffentlichen, in den letzten Jahren deutlich erhöht hat: Hatten Web 1.0 Communities noch häufig mit dem Problem zu kämpfen, dass sich User zwar anmeldeten, aber mit der Freigabe von Informationen auf ihrem Profil knauserten (und dadurch weniger soziale Anknüpfpunkte für andere User boten), so füttern sie Plattformen wie Facebook/Studivz, Twitter, Xing etc. mit einen bunten Strauß an persönlicher Information - Realnamen, Büroadressen, dokumentierte Gespräche mit anderen (z.B. Wall-to-wall), aktueller Aufenthaltsort, Partyfotos, etc. Vervollständigt wird das Szenario durch Services wie http://www.spock.com, http://www.123people.com oder http://www.30boxes.com, die anhand von eingegebenen Namen oder Emailadressen sämtliche verfügbaren Informationen aggregieren und gebündelt zur Verfügung stellen. Eine Anfrage stellen kann hier jeder.

Die Kristallisationspunkte der Diskussion:

_Diskrepanz zwischem unmittelbarem Usererleben und den technischen Folgewirkungen: Die Informationen, die in sozialen Medien weitergegeben werden, enstprechen in etwa denen, die wir auch im small talk, in face to face Gesprächen weitergeben würden. Was wir dabei nicht berücksichtigen, ist dass diese Informationen nun a) gespeichert b) zusammengeführt werden können. Mittels dieser aggregrierten Information kann dann viel mehr erfahren werden, als wir glauben preis gegeben zu haben.

_Fehlende Historizität der digitalen Medien: Digital Gespeichertes existiert in einer permanenten Gegenwart - so auch unsere digitalen Spuren im Netz. Alte Lebensläufe, 'Jugendsünden', Kommunikation kehren immer wieder, das Verblassen von Informationen und Erinnerungen, das die nichtdigitale Existenz auszeichnet(e), wird unmöglich.

_Diskrepanz zwischen Realer Persönlichkeit und Online-Existenz: Durch die Verdatung der Information/Kommunikation entstehen Online-Existenzen, die mit realen Persönlichkeiten u.U. wenig zu tun haben - für etliche Geschäftsmodelle sind die realen Persönlichkeiten sowieso uninteressant, es zählt die sich selbst verdatende MicroCommunity.

_Illusion der Kontrollmöglichkeit: Trotz alledem herrscht bei vielen der Eindruck, dass man die Situation kontrollieren könnte - zwei (völlig konträre) imaginierte Kontrollmöglichkeiten sind etwa einerseits das Anlegen vieler virtueller identitäten (quasi als Verwirrungstaktik - sobald die Verbindung einmal offen gelegt ist, bleibt sie es jedoch auch) oder andererseits das ausschließliche Agieren nur mit dem Realnamen (nach dem Motto: das zwingt mich dazu, mich wenigstens nicht daneben zu benehmen).

_We are searchable: Wer in Social Media Plattformen agiert, agiert ähnlich wie im realen Leben - jedoch sind unsere Gespräche und unser Verhalten im realen Leben nicht 'searchable'. Da alles durchsuchbar ist (und nie verblasst, s.o.), entstehen neue Persönlichkeitskonfigurationen, mit denen wir u.U. noch nicht umgehen können.

_We are aggregable: Wir sind nicht nur durchsuchbar, sondern auch aggregierbar. Informationen/Kommunikation, die nur für einige Kreise gedacht waren, werden - weil es technisch möglich ist - früher oder später zusammengeführt. Statt kleinem Rahmen gibt es nur noch Öffentlichkeit. Jede Form der elektronischen Kommunikation ist öffentlich - früher oder später.

Die Einschätzungen decken sich bei den Diskutierenden, dass uns ein Daten-GAU erst bevor steht. Doch, so der pragmatische Kommentar, es liegt an unser Nutzungsgeneration, herauszufinden, wie weit wir mit unseren Daten gehen. Auch der http://derstandard.at/?url=/?id=3192267 berichtet darüber im Allgemeinen.